Eskapismus in Zeiten von Corona – wie wunderbar ist Fantasy! Vielleicht habe ich viel verpasst, weil ich das Genre bis vor Kurzem gemieden habe. Aber ich blicke nie zurück. Genau jetzt ist die beste Zeit, mich in fremde Welten entführen zu lassen. Leigh Bardugo schafft dies mit ihrer zweibändigen Krähensaga vortrefflich.

Und los geht’s mit Das Lied der Krähen:
Die pulsierende Hafenstadt Ketterdam ist Handelsmetropole und Tummelplatz zwielichtiger Gestalten. Hier hat sich der junge Kaz Brekker zur gerissenen, skrupellosen rechten Hand eines Bandenchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot erhält, das ihm unermesslichen Reichtum bescheren soll, weiß Kaz zwei Dinge: Erstens wird ihm dieses Geld dabei helfen, den Tod seines Bruders zu rächen. Zweitens kann er den Job unmöglich allein erledigen.

Mit fünf Gefährten macht Kaz sich auf in den Norden, um den Entwickler einer gefährlichen Droge aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt zu befreien. Die sechs „Krähen“ sind professionell, clever und unberechenbar – und bringen höchst unterschiedliche Motive mit auf die eigentlich aussichtslose Mission.

Das Gold der Krähen nimmt dort den Faden wieder auf, wo der erste Teil endet, stellt die Rache für einen Verrat in den Mittelpunkt und mündet in ein fulminantes Finale.

Die Krähensaga liefert ein originelles Setting, eine sorgfältig und stimmig konstruierte Welt und ungewöhnliche Charaktere – allen voran Kaz „Dirtyhands“ Brekker, Trickbetrüger, Ganove und bis zum Schluss kein strahlender Held. Die Autorin gibt allen „Krähen“ eine Stimme, die Perspektive wechselt kapitelweise, aber die Handlung franst nicht aus, das Abenteuer bleibt der rote Faden. Das hat mir jeden der Charaktere nahegebracht – und mich locker mit den Facetten der Welt vertraut gemacht, die Leigh Bardugo schon Jahre früher in ihrer Grisha-Trilogie entworfen hatte.

Ein gelungenes Werk mit Suchtfaktor, ein munterer, unterhaltsamer und spannender Roman, fulminant, fantastisch, famos … so liest sich das in den Kritiken. Dem füge ich nur eins hinzu: Mir hat es schlaflose Stunden beschert – aber äußerst vergnügliche.

Wenn Sie Pause vom Alltag brauchen, machen Sie sich auf nach Ketterdam!

Ihre Ingrid Haag

(Der Beitrag erschien am 09.12.2020 im Blog der 42erAutoren.)

Bild: Amsterdam Keizersgracht, ArtTower bei Pixabay